Die besten Befunde macht der Zufall“, sagt Thomas Ots und lacht. Es war reiner Zufall, was der Neurochirurg Wen in Hongkong im Jahr 1973 bei süchtigen Patienten beobachtete, die er mit Akupunktur behandelte. Eigentlich wollte er über einen Akupunkturpunkt im Ohr die Lungenfunktion nach Operationen verbessern. Es zeigte sich aber: Die Nadeln machten die Patienten ruhiger und linderten die Entzugssymptome.

 

Aus diesem Zufall wurde schließlich in New York die Nada-Akupunktur entwickelt, die heute eine anerkannte Methode der Suchttherapie ist - und noch mehr. „Heute wird Nada-Akupunktur zu einem viel größeren Teil in der Psychiatrie eingesetzt“, sagt Thomas Ots, Obmann des Vereins Nada-Akupunktur Austria.

 

Die „genadelten“ Punkte verbessern die Ausscheidung, führen zu Beruhigung und erhöhen die geistige Klarheit. Mit „entspannt, aber wach“ beschreibt Ots die Wirkung der Nadeln. Aber zum Nada-Gesamtpaket gehört mehr als fünf Stiche: „Nada ist eine Gruppentherapie, bei Suchtpatienten ist das schon die halbe Miete“, sagt Ots.

 

Denn die Nadeln können nicht alle Symptome des Entzugs verschwinden lassen - zu sehen, dass die anderen in der Gruppe auch durchhalten, sei da eine große Unterstützung. Was Nada außerdem ausmacht, ist der niederschwellige Zugang: Ots erzählt von Nada-Treffen in Hamburg, die in angemieteten Garagen stattfinden. Patienten können zu den Öffnungszeiten dort hinkommen, setzen sich in die Gruppe - und müssen erst einmal nichts tun.

Die Therapie wendet sich nicht gegen eine spezielle Sucht, sondern stärkt den Körper. 

„Erst wenn der Betroffene die Hand hebt und damit zeigt, ich möchte ,genadelt' werden, kommt ein Therapeut zu ihm“, erklärt Ots. Es gehört nicht zum Protokoll, zu fragen: Woran leiden Sie? Auch spielt die Art der Sucht keine Rolle: „Die Therapie wendet sich nicht gegen eine spezielle Sucht, sondern stärkt den Körper“, sagt Ots.

 

Sind die Nadeln erst einmal gesetzt, sollte man damit zumindest eine halbe Stunde ruhig sitzen - auch das ist ein wichtiger Teil des Nada-Protokolls. „Die Menschen beginnen sich wieder zu spüren, sie werden ruhiger, ihre Konzentrationsfähigkeit steigt“, sagt Ots. Daher sei die Nada-Akupunktur auch bei der Behandlung von Depressionen, Burn-out und anderen psychischen Erkrankungen so beliebt.